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Trettmann

Zusatzshow am 08.04.2018 – Live Music Hall

#DIY Tour 2018

splash! Mag, Hush Hush

Trettmann ist eine Ausnahmeerscheinung. Niemand klingt wie der Sänger aus Leipzig, der eigentlich schon aufgegeben hatte und sich dann noch einmal neu erfand: als Trap-Troubadour mit dem Blues im Herzen. Er hat deutsche Popmusik damit geprägt. Nun erscheint das erste Album seit seiner Reinkarnation. “DIY” verdichtet auf zehn Songs, was Trettmann zu dem Menschen und Musiker gemacht hat, der er heute ist.

“DIY” beginnt mit einem Ende. “Nichts ging mehr, denn ich war schon tot,” singt Trettmann im Intro. Das klingt dramatisch und beschreibt doch akkurat, an welchem Punkt er im Sommer 2015 war, aufgerieben von Jahren zwischen Leidenschaft und Lebensrealität, müde davon, einen Traum zu jagen, der immer weiter verblasst. Was dann passierte, gehört zu den erstaunlichsten Geschichten der jüngeren deutschen Pophistorie. Trettmann fuhr nach Berlin und machte mit ein paar alten Bekannten ein Lied: halb zum Spaß, halb therapeutisch, vielleicht auch einfach, weil er muss. Es fühlte sich richtig an. Also machten sie noch ein Lied und noch eines und dann noch eines. Bis plötzlich alles anders war.

2016 erschienen gleich drei EPs, die sich mit Fug und Recht unter “gefeiert” verhandeln lassen. Dazu kamen mehrere Gastauftritte auf dem Platin-Album “Palmen aus Plastik” sowie Features mit der halben deutschen Rap-Elite, von Megaloh bis Ufo361. Die notorische Auskennerplattform All Good erklärte ihn zum Artist des Jahres. Trettmann ging auf seine erste Deutschland-Tournee. Sie war ausverkauft. In diesem Prozess formte sich aus den erwähnten Berliner Bekannten das Kollektiv KitschKrieg, das damals in einem ähnlich tiefen Tal steckte und heute, keine zwei Jahre später, deutscher Popmusik den Weg weist, mit Produktionen für unter anderem Haiyti, die Beginner, Bonez MC & Raf Camora und eben Trettmann. Vor allem aber formte sich ein neuer Sound, eine neue Identität für einen, der eigentlich schon aufgegeben hatte. Der Post-Alles-Crooner aus der Cloud. Der Trap- Troubadour mit dem Blues im Herzen. Der Lieblingssänger deiner Lieblingsrapper: Gzuz, Marteria, Jan Delay, Sido, Samy Deluxe, sie alle zogen öffentlich den Hut vor dem Mann, der klingt wie nichts und niemand sonst.

Es mag ein Klischee sein, aber Trettmann ist tatsächlich ein Unikat. Ein Mann Anfang vierzig, der als Kind den Jazz von Billie Holiday und den Soul von Marvin Gaye aufsog und daraus im Hier und Jetzt die fresheste Popmusik unserer Zeit formt. Ein waschechter Veteran, der jahrelang unterm Radar segelte und nun Millionen auf dem Klick-Konto sammelt, ohne Lobby, ohne offensichtliche Vorbilder, ohne Verrenkungen. Solche Karrieren sind im Pop-Betrieb eigentlich nicht vorgesehen. Trettmann aber ist immer schon ein Träumer im besten Sinne gewesen, ein Romantiker und Überzeugungstäter, der nie eingesehen hat, warum er die Ideen anderer als für sich gegeben akzeptieren sollte. Er hat stattdessen einfach sein Ding durchgezogen. Das mag banal klingen. Aber jeder, der einmal einen Fuß in das Minenfeld Musikindustrie gesetzt hat, weiß, dass das in Wahrheit maximal besonders ist. Mit KitschKrieg hat Trettmann nun auch ein Umfeld gefunden, in dem aus Arbeit Struktur werden kann, aus kreativem Irrsinn ein greifbares Produkt. “Nur noch mit der Fam, machen alles selber” heißt es auf “DIY”: die Beats, die Bilder, das Business. Damit ist im Grunde alles gesagt. Trettmann braucht nicht mehr als sein Kush und seine Crew, um kleine Hits und überlebensgroße Hymnen in die Welt zu ballern – mit allen Brüchen und Besonderheiten, die seine Biografie unweigerlich mit sich bringt.